Rietberg (dg). Lokalpolitik ist seine Leidenschaft, die SPD seine politische Heimat. Am Dienstag, den 4. November des vergangenen Jahres, in der ersten Sitzung des neuen Stadtparlamentes, verabschiedete Bürgermeister Andreas Sunder, zehn verdiente Ratsmandate der Stadt Rietberg nach teilweise langer Zugehörigkeit.
Unter ihnen auch Gerd Muhle, der nach sage und schreibe 46 Jahren in den politischen Ruhestand wechselt. „Das hat es noch nicht gegeben, ich kenne keinen Vergleich sagt Sunder. Es fällt mir schwer Abschied zu nehmen, denn meine politische Zeit ohne Gerd kenne ich nicht. Immer aktiv in Sachen Historie als Stadtführer, kämpft um den Erhalt alter Substanzen und mehr. Danke Gerd“. Der starke Applaus im Sitzungsaal ist ein ehrlicher von allen Parteien. Über die Partei-Ideologien hinweg habe er immer Akzeptanz bei allen Ratsmitgliedern gespürt und schätzt die gute Verbindung, die er zu allen hatte und noch hat. „Diese vertrauensvolle Basis war mit das Schönste, was ich in der langen Zeit empfunden habe“, sagt Gerd Muhle heute rückblickend.
Der überzeugte SPD-Mann trat als junger Student (Deutsch, Erdkunde in Münster) 1970 in Damme in die Partei ein. Kam aus tief schwarzer CDU-Familie und erhielt seine politische Erleuchtung durch keinen geringeren als Schriftsteller Günter Grass. Jener trat 1967 in der Eierhalle in Cloppenburg auf und es wurde dem 19jährigen Muhle verboten, die Veranstaltung zu besuchen. Ohne Wirkung, denn der junge „Revolutionär“ fand an dem Abend seinen Weg zu Grass und danach seine politische Zukunft. Die Zeit der 68er hatte zusätzlich ihre ideologische Triebkraft. Als Realschullehrer kam Gerd Muhle 1974 nach Rietberg. 1979 bei der Kommunalwahl kandidierte er erstmals für die SPD und zog in den Rat ein. Landschaftsschutz, Städtebau, Stadtplanung sowie das soziale Gewissen in der Politik waren seine Themen. Seit 1979 im Planungsausschuss sowie vielen anderen Ausschüssen, agierte er gegen die große Stadtkernsanierung als Vorsitzender vom Altstadt-Ausschuss. Stand in Opposition zur früh geplanten Westumgehung, kämpfte für den Erhalt historischer Substanzen. War stolz auf neun SPD-Sitze im Stadtrat über zwei Legislaturperioden und blieb seiner politischen Überzeugung immer treu, auch bei der Berg- und Talfahrt seiner Partei. Das
schätzte Muhle als echter Demokrat ebenso an Mandatsträgern anderer Parteien, mit denen man sich hitzig um die Sache streiten konnte, aber beim kühlen Bier danach wieder friedlich vereint war.
„Das Miteinander nach den Sitzungen, fehlt seit langem“, bedauert der langjährige SPD-Fraktionsvorsitzende heute. Vermisst einige Personen, so auch Käthe Herbort, die mit Weitblick, Beharrlichkeit und einem liebevollen Wesen in Rietberg viel Positives nachhaltig gestaltet hat. Neben dem Rat war und ist Gerd Muhle auch in noch anderen Bereichen aktiv. Bei den Grafschaftler Karnevalisten als Prinz und Präsident, aktiver Stadtführer und deren Ausbilder und in vielen mehr. So ist Gerd Muhle ein überzeugter Rietberger geworden, der in der Emsstadt seine Heimat und Ehefrau Helmtrud gefunden hat.



